Müggelsee Halbmarathon - Bericht von Rita Langnickel

Laufsport

Rita und Jürgen beim Müggelsee Halbmarathon (Foto: R. Langnickel)

Es sollte ein kleines Jubiläum werden, der Halbmarathon Nummer 20, aber das war in diesem verrückten Jahr gar nicht so einfach. Im Frühjahr gab es nur virtuelle Läufe (Rennsteig, Jokerthon) und verschobene Läufe (Wurzen – Grimma und Darß). Für den Herbst hofften wir deshalb auf einen regulären Wettkampf. Doch es sah fast so aus, als würde auch das nicht klappen. Der Harzgebirgslauf abgesagt und auch der Halbmarathon am Völkerschlachtdenkmal kurz vor dem Start abgeblasen. Dann tauchte ein Fünkchen Hoffnung am Horizont auf. Ein kleiner Verein in Berlin warb damit, dass der Müggelsee-Halbmarathon am 18.10.2020 auf jeden Fall durchgeführt wird. Wir überlegten nicht lange und meldeten uns an. Da Start und Ziel in unmittelbarer Nähe eines Hotels lagen, buchten wir auch ein passendes Zimmer. Bis zum Lauf waren es gerade noch 2 Wochen. Trotzdem waren wir nicht sicher, ob es tatsächlich klappen würde mit einem Start. Berlin hatte sich zum Corona-Risikogebiet entwickelt und wir bangten bis zum letzten Tag, ob nicht doch noch die Absage kommen würde.

Bereits bei der Anreise war klar, dass Jürgen seinen Startplatz zurückgeben musste. Irgendwas hatte sich im Rücken verklemmt, ein Start damit in weiter Ferne.

Der Veranstalter bot für Angehörige die Möglichkeit, mit einem Schiff auf dem Müggelsee zu fahren und an verschiedenen Stellen an der Strecke auszusteigen und seine Lieben zu bejubeln. Das war eine gute Idee und diese Gelegenheit nahm Jürgen gerne wahr.

So stand ich am Sonntag kurz vor 10 Uhr ohne ihn, aber aufgeregt wie immer, auf der Startwiese. Es war ein bisschen eigenartig. Überall waren kleine Grüppchen von Aktiven, dazwischen große Abstände und alle mit Mundschutz. Die meisten nutzten ein Buff, es hatte etwas von Verschwörung. Dann fiel der Startschuss und wir setzten uns in Bewegung. Nach Verlassen des Startgeländes konnte der Schnutenpulli in der Versenkung verschwinden und es war fast wie immer.

Ich war mir nicht sicher, welches Tempo ich laufen sollte, denn das Training war dieses Jahr alles andere als strukturiert und zielgerichtet. Ich schwankte immer zwischen der Hoffnung auf einen Wettkampf und guter Motivation und den Absagen und der Frage: „Wozu trainiere ich überhaupt?“  Vor mir lief ein Pärchen gleichmäßig mit 7 Minuten pro Kilometer. Das fühlte sich gut an und so hielt ich mich die ersten 5 Kilometer hinter den beiden. Wir passierten den Spreetunnel von 1926. Das hieß 50 Stufen abwärts, 120 Meter unterirdisch und 50 Stufen wieder hinauf. Hier stand Jürgen und wir konnten uns kurz sehen. Schon war die erste Verpflegungsstelle erreicht. Dann fingen meine beiden Zugpferde ein bisschen an zu bummeln. Ich fühlte mich gut und überholte sie. Wir liefen den Müggelseedamm entlang, vorbei am Strandbad Müggelsee bis Rahnsdorf. In Wilhelmshagen gab es wieder einen Getränkepunkt. Jedes Mal, wenn die Uhr einen weiteren absolvierten Kilometer vermeldete, schaute ich kurz auf die Zeit und war freudig überrascht. Immer knapp unter 7 Minuten und es fühlte sich gut an. Die Strecke war bestens ausgeschildert, das Wetter passte, jeder Kilometer war einfach nur Genuss. Es ging zum Hessenwinkel und vorbei an der Siedlung Schönhorst und der Siedlung Spreewiesen zurück auf den Rundweg am See.

Schon bald war die 20-Kilometer-Marke in Sichtweite und das Ziel nicht mehr weit. Als ich die Ziellinie überquerte waren noch keine 2 ½ Stunden vorbei und ich freute mich riesig über einen gelungenen Lauf. Dankeschön den vielen Helfern und Organisatoren, die den Mut hatten, diesen Lauf auf die Beine zu stellen. Hoffentlich kommen bald wieder normale Zeiten mit regulären Wettkämpfen. Den vielen Veranstaltern wäre es zu wünschen. (Rita Langnickel)